Zehn Wochen unterwegs

Wie schnell die Zeit vergeht. Wie weit unser Alltag in Deutschland entfernt ist. Mittlerweile ist das Reisen Alltag geworden. Wir sind ein eingespieltes Team. Durch fantastische Höhen und ungeahnte Tiefen gewandelt. Wir kennen unsere Bedürfnisse und Macken so genau wie noch nie zuvor. Zwischen uns Erwachsenen läuft viel nonverbal.

Freiheit. Da wir weiterhin ohne festen Plan und Hotelbuchungen reisen, bleiben wir, wo es uns gefällt. Wir verbringen den Tag ohne Zeitdruck. Die besten Erlebnisse entstehen genau dadurch.

So viele wundervolle Eindrücke. So viele nette Menschen. Auch die bis heute knapp dreitausend Fotos Weiterlesen

Ein geglückter Umweg

Sieben Kilometer trennen uns von der nächsten Ortschaft Gordia. Sieben Kilometer auf dem Highway 1 spektakulär entlang der Pazifikküste.

Nur leider, leider, gab es einen Erdrutsch im Mai und hat dieses Teilstück der Straße weggespült. Ja, es gab Schilder, wenn auch nicht viele, dass die Straße gesperrt ist. Ganz ehrlich: Wir haben uns aber nichts dabei gedacht. Andere Autos sind auch in diese Richtung gefahren. Außerdem sollte die Straße seit Juli wieder offen sein. Doch der Highway 1 ist bei Ben Sur gesperrt.

Umweg: Zweihundertacht Kilometer. In Zahlen: 208. Genau dafür ist das Gebiet Ben Sur ja so weltberühmt. Keine Ortschaften, keine Straßen. Nur der legendäre Pacific Coastal Highway schlängelt sich um die steil abfallenden Berge.

Blöd. Wir sind bereits einige Meilen unterwegs. Lara hatten wir versprochen, nicht mehr so lange zu fahren. Bei einem Kaffee stimmen wir uns gemeinsam ab. Wir überspringen bis Santa Cruz den gesamten Highway 1 und fahren im Hinterland konsequent Richtung Norden. Gut, dasss wir noch keine Übernachtung für heute gebucht haben. So bleiben wir flexibel. Los geht’s.

Vorher fahren wir aber die Straße noch fünf weitere Meilen bis direkt an die Absperrung. Ein paar gute Fotos sind einfach Pflicht.

Dann heißt es umdrehen. Was sich als absoluter Glücksfall entpuppt. Entlang des Highway 46 geht es bergauf und es wird mit dreißig Grad deutlich wärmer. Die Landschaft wirkt verdorrt. Und genau hier oben wächst unglaublich guter Wein. Dunkel, Beerig, schwer, mit viel Alkohol. Im Sommer ist es über vierzig Grad heiß. Zinfandel, Cabernet, Petit Franc, Pinot Noir und auch Chardonnay werden hier zu Top Weinen verarbeitet. Dreihundert kleine Weingüter gibt es wohl hier.

Wir halten bei GreyWolf und essen ein spätes Mittagessen. Robert probiert sich durch die Weine. Nicht günstig. Dafür sündhaft gut. Zum Zinfandel passt das slow cooked brisket perfekt. Das Ganze in perfekter Location mit Blick auf die Weinberge. „Ein Glück, dass der Highway 1 gesperrt ist“, denken wir. „Ohne Kinder“, träumen wir weiter, „würden wir uns hier kurzerhand irgendwo einmieten und durch die Weingüter probieren.“

„Mama, ich muss kaka und pipi. Papa soll mitkommen.“ Wir werden unsanft aus unseren Träumen gerissen. „Alles klar, Lara. Auf geht’s.“

Um achtzehn Uhr ist Schluss mit Fahren. Wir schaffen es bis zur Ortschaft Salinas. Touristisch unbedeutend. Wir entscheiden uns für ein einfaches Motel direkt am Highway 101. „Ihr bekommt das Zimmer billiger, wenn ihr bar zahlt“. Das Angebot nehmen wir gerne an. Die Anmeldekarte verschwindet wieder unter dem Tisch. Die nette Empfangsdame will wissen, was wir hier machen. Nur selten verirren sich wohl Touristen hierher. Später lernen wir, dass man die Zimmer auch kürzer als eine ganze Nacht mieten kann. Egal, unser Zimmer ist ordentlich und ausreichend groß.

Nach einem Bett-Picknick mit Brot, Cream Cheese, Gurke und einer Birne bringen wir die Kinder ins Bett. Wir sind etwas im Verzug. Wir haben noch kein Zimmer für die drei Nächte in San Francisco ab übermorgen. Auch für morgen haben wir noch nichts. Egal. Das Internet macht es möglich: Hotel mit Kapazitäten googlen, hinfahren, anschauen, verhandeln. Bis dato eine gute Strategie. In der Nebensaison gibt es auch in Santa Cruz viele leere Zimmer. Anders geht es nicht. Das Preisniveau ist hier generell exorbitant hoch.

San Francisco macht uns Angst. Die Zimmer sind schweineteurer. Der Ruf als zweitteuerste Stadt der Staaten macht sie alle Ehre. Teurer als LA, viel teurer als Miami. Deswegen haben wir uns vor einer festen Buchung bis dato gescheut. Wir hoffen auf ein Last Minute Angebot. Wird schon. Manchmal muss man abwarten und die Dinge auf sich zukommen lassen. Wir sind guter Dinge.

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Nachtschicht: Reiseroute ist ausgearbeitet

Letzte Nacht haben wir genutzt, die Reiseplanung für die nächsten vier Wochen festzulegen. War höchste Eisenbahn. Bis dato hatten wir keinen Plan wie wir die Zeit in den USA verbringen wollen.

Grob gesagt starten wir zwei Tage in LA. Dann geht es über den legendären Highway 1 am Pazifik entlang nach San Francisco mit dem Auto. Dort übernehmen wir ein Wohnmobil. Im Napa Valley trinken wir ein Glas Wein, im Yosemite National Park geht es Wandern.

In Las Vegas gewinnen wir eine Million. Mit frischem Geld fahren wir die klassische Touristenrunde und klappern die Nationalparks ab. Entlang der Route 66 kommen wir wieder in Las Vegas an. Dort geben wir das Wohnmobil ab.

Insgesamt knapp zweitausend Meilen. Sollte in knapp vier Wochen funktionieren. So der Plan. Damit können wir ein Wohnmobil anfragen und die ersten Übernachtungen buchen.

Mal sehen, ob wir wirklich so fahren oder uns auf dem Weg anderweitig inspirieren lassen. Klick hier für die Route in der Übersicht.

Stay tuned.

Whalewatching

Sorry, die letzten Tage hatten wir kein Internet. Dieser Erlebnis ist vier Tage alt.

Heute setze ich, Robert, einen weiteren Haken. Und zwar hinter den Wunsch: Whalewatching. Nadine bleibt bei den Kindern. Uvita gibt es ein maritimes Naturschutzgebiet, in das Buckelwale zum Kalben kommen. Die Wahrscheinlichkeit solche Tiere zu sehen, ist zwischen Juli und September sehr hoch. Nur zertifizierte Schiffe dürfen in das Gebiet des parque nacional marino ballena.

Morgens um acht Uhr geht es mit einem recht kleinen Boot und elf weiteren Gleichgesinnten direkt vom Strand los.

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Der Guide ist guter Dinge, wenigstens einen Wal zu sehen. So versichert er uns. Geplant ist zwei Stunden vor der Küste Wale zu suchen, gefolgt von einer Pause auf einer Insel mit Schnorchelmöglichkeiten, um dann noch mal eine Stunde auf dem Wasser nach Walen Ausschau zu halten. Es ist stark bewölkt. Gutes Wetter um Wale zu sichten, so der Guide. Weiterlesen

Am dreißigsten September geht es weiter

Nun ist es final. Wir werden Costa Rica verlassen.

Eigentlich wollten wir schon morgen, den fünfundzwanzigsten September, rausfliegen. Beim Whalewatching in Uvita hat Robert jedoch Carlos kennengelernt. Carlos ist mit seiner Frau hier. Beide sind begeisterte Kaffeetrinker. Carlos arbeitet als Tourguide für eine Lodge in der Region Naranja im Central Valley.

Hier wird seit Jahren der beste Kaffee in Costa Rica angebaut. Wir kommen ins Gespräch. Weiterlesen

Fünfundfünfzig Tage unterwegs…

…solange waren wir noch nie auf Reisen. Zeit für eine kleine Zwischenbilanz in Form eines Kurzinterviews. Durchgeführt von einem Zimmernachbarn abends in Jaco.

Frage eins: „Habt ihr Heimweh?“

Robert: „Nach rund vier Wochen hatte ich den Wunsch, wieder nach Hause zu wollen. Wir hatten jeden Tag relativ viel unternommen. In Kombination mit unseren beiden Schätzchen hat das Kraft gekostet. Die vielen Eindrücke haben zu einer Übersättigung geführt. Dazu kam, dass Lara zu diesem Zeitpunkt sichtlich Heimweh hatte. Wir haben gemeinsam entschlossen, langsamer zu reisen und die Tage mehr mit alltäglichen Dingen zu füllen. Seitdem genießen wir jeden Tag aufs Neue und haben unseren Aufenthalt in Costa Rica sogar verlängert.“

Nadine: „Heimweh würde ich es nicht nennen. Weiterlesen

Halsketten

Wir sitzen bei einem leckeren, eiskalten Smoothie in einer kleinen Bar. In dem Innenhof sind noch weitere kleine Geschäfte. So auch eine Frau, die aus geschliffenen Steinen Ringe und Kettenanhänger gestaltet. Ursprünglich aus Frankreich, hat sie sich in diesen Ort verliebt.

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„Gerne befestige ich euch ein Band an einer Muschel oder Stein, den ihr bringt.“, antwortet die nette Dame. „Ich brauche nur ein Loch.“

Stundenlang suchen wir gemeinsam den Strand ab. Interessant soll die Muschel oder der Stein sein. Farblich passend. Und mit Loch an der richtigen Stelle. Gar nicht so einfach.

Am Ende sind wir stolze Besitzer von drei Ketten. Robert selbst ist nun Kettenträger. Lara packt ihren Anhänger in Ihre Schatztruhe.

Per Zufall entdecken wir einen weiteren Laden, der wunderschöne Halsketten aus geschliffenen roten und violetten Muscheln verkauft. Cocotales ist der Name. Sie steht vorne im Geschäft und ist aus der Schweiz, er ist Einheimischer und sitzt hinten in der Werkstatt. Nadine verliebt sich in einen Anhänger. Unsere Andenkentasche füllt sich um ein weiteres Mal. Welches der drei Anhänger oben ist er wohl?

Abends kommen wir fast im Dunkeln heim. Wir finden am Strand eine große Conch. Stark verwittert. Trotzdem sind wir stolz. Dies ist wie das I-Tüpfelchen für diesen wunderschönen Tag. Dazu ein Sonnenuntergang, der einem vor Ehrfurcht innehalten lässt.

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Unsere Conch

Umgebung mit Suchtfaktor

Es ist der fünfzehnte September. Wir haben verlängert: Unseren geplanten Aufenthalt in Costa Rica. Unseren Mietwagen. Und unsere Unterkunft hier in Samara am Pazifik. Es passt einfach alles. Ein überschaubarer Küstenort mit einem halbmondförmigen, hellgrauen Sandstrand. Dazu eine kleine vorgelagerte Insel mit einem Riff und ein kraftvolles Meer. Geschliffene Steine und bunte Muscheln im Sand. Perfekt um stundenlang nach der perfekten Muschel zu suchen. Der Lonely Planet schreibt: „Samara ist der Sammelpunkt der Glückseligkeit.“ Etwas theatralisch geschrieben, aber es Weiterlesen