Valley of Fire State Park

Ich, Robert, sitze auf dem Beifahrersitz unseres Campers. Im Alkoven über mir singen Lara und Nadine ihre Gute Nacht Lieder. Noah schläft bereits. Es ist stockfinster draußen. Nur zwei Lagerfeuer sind als helle Flecken auszumachen. Viertel nach Acht. Zeit für ein paar Zeilen.

Nach zwei Tagen am Lake Mead mit seinem beindruckenden Hoover Dam sind wir heute ohne ausführliches Frühstück direkt los. Es geht in den Valley of Fire State Park, NV. Hundertzwanzig Kilometer nördlich von Las Vegas gelegen soll er fantastische Sandsteinformationen haben. Zwei andere Paare, die wir unterwegs trafen, haben sehr davon geschwärmt. „Der einzige Campingplatz im Park ist sehr klein und fast voll. Seid früh da, um einen Stellplatz zu ergattern.“ Das war der gutgemeinte Rat gestern an Nadine. Darum auch der hektische Aufbruch heute Morgen.

Also los. Wir kommen gut durch. Noah schläft, Lara spielt mit ihrer Barbiepuppe. Wir gönnen uns ein Pancake-Frühstück mit Speck und Rührei im IHOP.

Es geht dreißig Kilometer auf mittelprächtiger Asphaltstraße durch die Steinwüste ins Nichts. Trockene Grasbüschel wehen über das weite Land. So wie weite Teile von Nevada. Der ganze Camper klappert. Und ja, wieder kein Handyempfang. Das sind wir mittlerweile schon gewöhnt. Die Veröffentlichung dieses Berichts muss also warten. Als wir so durch das öde Land dahinfahren, gehen wir unsere Vorräte durch. Wir wollten noch einkaufen, was wir aufgrund der Eile nicht getan haben. Brauchwasser ist aufgefüllt, Benzintank halbvoll, Toilette geleert. Drei Gallonen Trinkwasser, Nudeln, Dosensuppe, Milchbrei für Noah, Müsli, etwas Obst. Sollte für zwei Nächte reichen. Nadine will noch umdrehen. An der Abzweigung zum Highway gab es eine Tankstelle, an der man sicher etwas Lebensmittel kaufen konnte. Ich winke leichtfertig ab: „Es wird schon etwas vor Ort zu kaufen geben.“

Der Campingplatz ist inmitten von roten, verwitterten Sandsteinstrukturen gelegen. Weit auseinandergelegene Plätze und als Luxusbeigabe eine Dusche. Das ist das erste Mal, dass ein Campingplatz Duschen hat. Heute Nachmittag sind wir alle fällig. Ausführliches Waschen ist angesagt. Und nein, hier gibt es keinen Campingwart und keine Rezeption. Man wirft die geforderte Menge Geld einfach in einen gesicherten Briefschlitz und sucht sich einen Platz. So haben wir das auf den meisten Campingplätzen erlebt.

Nachmittags gehen wir spazieren. Die Felsformationen sind farblich einmalig. Dazu das Licht. Pefekt. Ich gehe mit Lara einige Felsbrocken hochklettern. Der Sandstein ist griffig. Selbstsicher kennt Lara keine Höhenangst und feuert mich an, weiterzumachen. Ich bin allerdings damit beschäftigt, immer einen sicheren Tritt zu haben. Im Zweifel muss dieser für zwei halten.

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Noah hat heute Abend das erste Mal eine wirklich komplette, normale Mahlzeit zu sich genommen. Kartoffeln von gestern und Cream Cheese. Dazu noch einige Nudeln von uns. Es schmeckt ihm sichtlich. Morgen versuchen wir das Ganze mit den restlichen Nudeln in milder Tomatensauce. Was Lara isst, will er auch. Noah liebt seine Lara über alles. Immerzu dreht er sich zu ihr und will mit ihr spielen. Mal klappt es, meist nicht. Lara ist meistens genauso lieb zurück. Sie füttert ihn mit Stücken von ihrem Butterbrot und gibt ihm etwas zu trinken. Mal sehen, wie es wird, wenn Lara in Deutschland wieder in den Kindergarten geht. Da wird die große Schwester fehlen.

Nur ihre Spielsachen teilen: Nein, da hört die Freundschaft auf. Dann gibt es Geschrei: Lara nimmt ihre Sachen am Ende mit Gewalt. Noah ist zornig und plärrt mit voller Stimme. Und gibt nicht so einfach auf. Noch verliert er die Zweikämpfe. Mal sehen, wann der Altersvorteil von Lara geschmolzen ist und der körperliche Jungs-Vorteil zum Tragen kommt.

Ein Tag weiter. Wieder sitze ich abends auf dem Beifahrersitz unter dem Alkoven. Doch heute ist schon alles ruhig am Schlafen. Na ja, es ist auch einundzwanzig Uhr. Ich lasse den Tag Revue passieren. Ein rundum gelungener Tag.

Morgens ging es zunächst ins Visitor Center. Wie in jedem Park ist auch dieses Besucherzentrum toll gemacht. Viele Informationen über die Region. Ranger, die Fragen beantworten. Wissenswertes über Ausflugsmöglichkeiten, diverse Aktivitäten. Heute findet ein paar Meilen weiter auf einem Picknickplatz eine Sandbildaktion für Kinder statt. Schnell auf die Uhr geschaut: In einer Stunde geht es los.

Pünktlich sind wir dort. Lara will gar nicht mehr aufhören. Eine gute Idee – auch für einen Kindergeburtstag. Ähnlich wie früher die Indianer im Südwesten, zeichnet man zunächst auf rauem Papier eine beliebige Figur vor. Dann fährt man nach und nach die Linien mit einem Klebstoff ab. Nun wird farbiger Sand darauf gestreut. Lara lässt eine Landschaft mit Sonne und Fluss entstehen. Beim Steinbock helfe ich ihr etwas.

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Indianer, zum Beispiel vom Stamme der Navajo, erstellen in tagelanger Arbeit komplexe geometrische Strukturen mit verschiedenfarbigem Sand. Ohne Klebstoff. Zeitlich begrenzt. Die Bilder werden nur für ein temporäres Ereignis erstellt: Krankheit, fehlendes Wasser, etc. So erklärt es der Ranger. Danach werden die Bilder auf dem Boden weggewischt.

Mittags gibt es Suppe aus der Dose. Ohne schlechtes Gewissen und lecker. Gestärkt fahren wir entlang der kurvigen Straße. Immer wieder halten wir an und wandern zwischen beeindruckenden Sandsteinformationen hindurch. Wind, Regen und verschiedene Gesteinsschichten haben eine wahnsinnige Landschaft entstehen lassen. Ein Teil von Star Wars wurde hier gedreht, kein Wunder. Die Kinder sind glücklich. Lara kann auf den Felsen klettern und Steine sammeln.

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Noah spielt im Sand, der je nach Lage mal gelb oder tiefrot ist, oder sogar rosa schimmert. Wenn die Kinder glücklich sind, sind wir es auch. Ich habe in Ruhe einige spannende Fotos dieser Gegend knipsen können. Nachmittags sehen wir noch ein Blackhorn Sheep ganz aus der Nähe. Das findet Nadine besonders interessant. Für alle etwas dabei. Alles gut. Familie glücklich.

Der Valley of Fire State Park ist eines unserer klaren Favoriten dieser USA Reise. Das Geheimnis ist unter anderem, wie auch in allen anderen Parks, die Übernachtung. So hat man morgens und ab nachmittags den Park für sich allein. Die meisten Touristen fahren nämlich mit den Autos nur durch und machen tagsüber kurze Stopps. Wir können das Naturschauspiel aus Licht und Schatten meist alleine genießen. Morgens zartrosa, abends blutrot. Dazu blauer Himmel und diese fast schon hörbare Stille. Abends ein Lagerfeuer. Sterne. Perfekte Momente.

Genug der poetischen Worte: Gute Nacht.

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