Gewaltige Natur

Es ist der fünfzehnte Oktober, neun Uhr morgens. Die Sonne brennt bereits vom Himmel. Dabei sind wir noch ein Tal vor dem eigentlichen Death Valley. Was für ein Unterschied: die letzten drei Nächte waren bei minus sieben Grad im Wohnmobil nicht allzu lustig. Keine hundert Meilen weiter im Norden haben wir auf dem Sierra Nevada Hochplateau noch die gold-rote Blattfärbung des beginnenden Indian Summer genossen. Tagsüber hat die Sonne noch ordentlich Kraft und drückt die Temperatur auf zwanzig Grad. Aber nachts wird es bitterkalt. Mit eiskaltem Wind. Die Landschaft entlang des Highway 395 ab Yosemite National Park Richtung Süden ist atemberaubend schön. Allein dieser Abschnitt ist eine Reise wert.

Und nein. Unser Wohnmobil hat zwar einen V8 Motor und einen Generator, der eine Kleinstadt mit Strom versorgen kann, aber keine ausreichend große Batterie, um die Standheizung längere Zeit zu versorgen. Diese läuft zwar völlig autark mit Propangas. Ohne Gebläse schaltet sie aber kurzerhand ab. Es gibt zwei Möglichkeiten: eine externe Stromversorgung oder den Generator laufen lassen. Auf den sehr naturnahen Campingplätzen gibt es keinen Stromanschluss. Generator laufen lassen? Auch doof, da auf den Plätzen zeitlich stark eingeschränkt erlaubt und einfach zu laut. Das ganze Wohnmobil vibriert dabei leicht im Takt. Die Antwort heißt einkuscheln. Dicke Klamotten nachts an, Noah zu uns ins Bett. Und die zwei Stunden funktionierende Standheizung für die kälteste Zeit zwischen drei und fünf Uhr aufheben. So haben wir die erste Nacht verbracht. Nicht ideal. Die zweite Nacht haben wir zwar wärmer, aber mit noch weniger Schlaf verbracht. Wir haben uns in eine Ecke des fast leeren Campingplatzes gestellt und alle neunzig Minuten den Generator für eine viertel Stunde angeschaltet und hochgeheizt. Gut für die Wärme, schlecht für den Schlaf. Die dritte Nacht haben wir einen Campingplatz ausgesucht, der Stromanschluss hatte. Nicht so schön gelegen. Dafür mit ausreichend Schlaf.

Warum wir das gemacht haben? Weil die Landschaft hier einfach überwältigend ist. Weil morgens kurz nach Sonnenaufgang eine magische Stimmung und wunderschönes Licht zu finden sind. Fast surreal. Weil die Natur hier so ungebändigt und roh ist. Überwältigend. Robert macht morgens Fotos.

Zurück zu unserem kargen Stellplatz im Panamint Valley. Eine Tankstelle, ein Restaurant, drei Häuser. Und eben dieser Campingplatz, der sich Resort nennt. Etwas irreführend. Hier gibt es nichts. Außer einem unglaublich schönen Rundumblick auf die umliegenden Berge.

Gleich geht es über diese Berge in das eigentliche Death Valley. Bis Ende September hätten wir mit dem Wohnmobil nicht in dieses Gebiet fahren dürfen. Das steht ausdrücklich im Vertrag. Zu warm, zu abgelegen. Mal sehen, was uns erwartet.

Kleine Anekdote: Wir haben uns in San Francisco extra eine SIM-Karte gekauft, damit wir unterwegs Internet haben und im Notfall telefonieren können. Das Datenvolumen werden wir nicht aufbrauchen können. Die letzten Tage hatten wir nur SEHR sporadisch Empfang. SEHR. Und SEHR langsam. Hier gibt es zumindest WLAN. Über Satellit und die meisten Seiten sind gesperrt.

Deswegen auch keine Fotos hier im Blog.

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