Ein geglückter Umweg

Sieben Kilometer trennen uns von der nächsten Ortschaft Gordia. Sieben Kilometer auf dem Highway 1 spektakulär entlang der Pazifikküste.

Nur leider, leider, gab es einen Erdrutsch im Mai und hat dieses Teilstück der Straße weggespült. Ja, es gab Schilder, wenn auch nicht viele, dass die Straße gesperrt ist. Ganz ehrlich: Wir haben uns aber nichts dabei gedacht. Andere Autos sind auch in diese Richtung gefahren. Außerdem sollte die Straße seit Juli wieder offen sein. Doch der Highway 1 ist bei Ben Sur gesperrt.

Umweg: Zweihundertacht Kilometer. In Zahlen: 208. Genau dafür ist das Gebiet Ben Sur ja so weltberühmt. Keine Ortschaften, keine Straßen. Nur der legendäre Pacific Coastal Highway schlängelt sich um die steil abfallenden Berge.

Blöd. Wir sind bereits einige Meilen unterwegs. Lara hatten wir versprochen, nicht mehr so lange zu fahren. Bei einem Kaffee stimmen wir uns gemeinsam ab. Wir überspringen bis Santa Cruz den gesamten Highway 1 und fahren im Hinterland konsequent Richtung Norden. Gut, dasss wir noch keine Übernachtung für heute gebucht haben. So bleiben wir flexibel. Los geht’s.

Vorher fahren wir aber die Straße noch fünf weitere Meilen bis direkt an die Absperrung. Ein paar gute Fotos sind einfach Pflicht.

Dann heißt es umdrehen. Was sich als absoluter Glücksfall entpuppt. Entlang des Highway 46 geht es bergauf und es wird mit dreißig Grad deutlich wärmer. Die Landschaft wirkt verdorrt. Und genau hier oben wächst unglaublich guter Wein. Dunkel, Beerig, schwer, mit viel Alkohol. Im Sommer ist es über vierzig Grad heiß. Zinfandel, Cabernet, Petit Franc, Pinot Noir und auch Chardonnay werden hier zu Top Weinen verarbeitet. Dreihundert kleine Weingüter gibt es wohl hier.

Wir halten bei GreyWolf und essen ein spätes Mittagessen. Robert probiert sich durch die Weine. Nicht günstig. Dafür sündhaft gut. Zum Zinfandel passt das slow cooked brisket perfekt. Das Ganze in perfekter Location mit Blick auf die Weinberge. „Ein Glück, dass der Highway 1 gesperrt ist“, denken wir. „Ohne Kinder“, träumen wir weiter, „würden wir uns hier kurzerhand irgendwo einmieten und durch die Weingüter probieren.“

„Mama, ich muss kaka und pipi. Papa soll mitkommen.“ Wir werden unsanft aus unseren Träumen gerissen. „Alles klar, Lara. Auf geht’s.“

Um achtzehn Uhr ist Schluss mit Fahren. Wir schaffen es bis zur Ortschaft Salinas. Touristisch unbedeutend. Wir entscheiden uns für ein einfaches Motel direkt am Highway 101. „Ihr bekommt das Zimmer billiger, wenn ihr bar zahlt“. Das Angebot nehmen wir gerne an. Die Anmeldekarte verschwindet wieder unter dem Tisch. Die nette Empfangsdame will wissen, was wir hier machen. Nur selten verirren sich wohl Touristen hierher. Später lernen wir, dass man die Zimmer auch kürzer als eine ganze Nacht mieten kann. Egal, unser Zimmer ist ordentlich und ausreichend groß.

Nach einem Bett-Picknick mit Brot, Cream Cheese, Gurke und einer Birne bringen wir die Kinder ins Bett. Wir sind etwas im Verzug. Wir haben noch kein Zimmer für die drei Nächte in San Francisco ab übermorgen. Auch für morgen haben wir noch nichts. Egal. Das Internet macht es möglich: Hotel mit Kapazitäten googlen, hinfahren, anschauen, verhandeln. Bis dato eine gute Strategie. In der Nebensaison gibt es auch in Santa Cruz viele leere Zimmer. Anders geht es nicht. Das Preisniveau ist hier generell exorbitant hoch.

San Francisco macht uns Angst. Die Zimmer sind schweineteurer. Der Ruf als zweitteuerste Stadt der Staaten macht sie alle Ehre. Teurer als LA, viel teurer als Miami. Deswegen haben wir uns vor einer festen Buchung bis dato gescheut. Wir hoffen auf ein Last Minute Angebot. Wird schon. Manchmal muss man abwarten und die Dinge auf sich zukommen lassen. Wir sind guter Dinge.

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