Whalewatching

Sorry, die letzten Tage hatten wir kein Internet. Dieser Erlebnis ist vier Tage alt.

Heute setze ich, Robert, einen weiteren Haken. Und zwar hinter den Wunsch: Whalewatching. Nadine bleibt bei den Kindern. Uvita gibt es ein maritimes Naturschutzgebiet, in das Buckelwale zum Kalben kommen. Die Wahrscheinlichkeit solche Tiere zu sehen, ist zwischen Juli und September sehr hoch. Nur zertifizierte Schiffe dürfen in das Gebiet des parque nacional marino ballena.

Morgens um acht Uhr geht es mit einem recht kleinen Boot und elf weiteren Gleichgesinnten direkt vom Strand los.

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Der Guide ist guter Dinge, wenigstens einen Wal zu sehen. So versichert er uns. Geplant ist zwei Stunden vor der Küste Wale zu suchen, gefolgt von einer Pause auf einer Insel mit Schnorchelmöglichkeiten, um dann noch mal eine Stunde auf dem Wasser nach Walen Ausschau zu halten. Es ist stark bewölkt. Gutes Wetter um Wale zu sichten, so der Guide.

Nach einer halben Stunde Fahrt finden wir unser erstes Exemplar mit Baby. Das Wort Baby wirkt leicht irreführend. Wir reden hier von Tieren mit einer Tonne Gewicht. „Zweihundert Liter Milch trinkt es täglich und nimmt so jeden Tag fünfundvierzig Kilo zu.“, erklärt der Guide. „Die Mutter findet hier im warmen Wasser keine Nahrung und fastet die drei Monate vor Ort. Dafür gibt es hier aber keine natürlichen Feinde. Dem Orca, Feind Nummer eins der Buckelwale, ist es hier nämlich zu warm.“

Wir folgen den beiden langsam. Das Baby muss oft auftauchen, um Luft zu holen. Die Mutter ist immer in Reichweite. Ein ganzes Jahr bleiben Mutter und Kind dicht beieinander. Wir verlieren die beiden nach einigen Minuten. Unser Guide entspannt sich sichtlich. Wal gesehen. Touristengruppe glücklich. Ein guter Start.

Warum heißt der Buckelwal so? Wenn Buckelwale aus dem Wasser springen, krümmen sie ihren Körper. Das sieht so aus, als würde der Wal einen Buckel machen. Was für eine banale Erklärung.

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Wir sind das einzige Whalewatching-Boot weit und breit. Es ist tiefe Nebensaison. Das entspannt auch die Wale, da dadurch deutlich weniger Bootslärm im Wasser ist. Wir fahren geruhsam weiter auf der Suche nach einem weiteren Tier.

Plötzlich heult der zweihundert PS Außenbordmotor auf. Die Spitze des Bootes hebt sich. Es geht im neunzig Grad Winkel weg vom Ufer hinaus auf den offenen Pazifik. Mit Vollgas hüpfen wir über das unruhige Wasser. Der Guide gibt zunächst keine Info. Ich drehe mich nach hinten um. Hier steht der Kapitän mit dem Guide. Sie scheinen zu wissen, was sie tun. Das beruhigt. Das Ufer wird immer kleiner. Ich werde unsicher: “Habe ich ein Ticket nach Australien gebucht?“, geht es mir durch den Kopf.

Endlich klärt der Guide uns auf und schreit gegen den Lärm an. Weit draußen ist wohl ein Rudel Buckelwale. Das ist auch für den ihn etwas Besonderes: „This is a lucky day. Enjoy.“ Deswegen die hohe Geschwindigkeit. Deswegen die weite Fahrt in den grauen Ozean. Wir werden langsamer. Tatsächlich findet er die sechs Wale. Wir sind die einzigen Menschen hier. Keine Ahnung, woher der Guide wusste, dass sich hier ein Rudel befindet. Er hat einen Anruf bekommen, erklärt er auf meine Frage.

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Die Tiere tauchen alle paar Minuten kurz auf. Mit einem lauten Pfff drücken sie einen Nebel verbrauchter Luft aus ihrem Atemloch drei Meter in die Höhe. Dann erscheint der massive Körper. Neun bis vierzehn Meter misst so ein Prachtexemplar. Ein wahres Spektakel. Sie sind teilweise nur wenige Meter vom Boot entfernt.

Schnorcheln und Pause sind gestrichen. Wir folgen der Walgruppe. Dies ist relativ einfach, obwohl sie unter Wasser kreuz und quer schwimmen. Die ums Boot schwimmenden und springenden Delphine zeigen uns den Weg. Wale folgen wohl diesen Tieren.

Tiefhängende Wolken und peitschender Regen machen die Vollgas-Rückfahrt über die wellige See zu einem eigenständigen Erlebnis. Mein Sitzplatz in der letzten Reihe ist gut gewählt. Mit leichter Schadenfreude bleibe ich halbwegs trocken.

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