An alle F&B´ler: Ein unsinniges Dosenbier-Tasting

Es ist kurz nach zwölf Mittag. Es regnet. Noah schläft. Nadine liest mit Lara. „Zeit für mich. Zeit, um sich etwas Sinnvollem zu widmen“ denkt sich Robert. Im Kühlschrank liegen seit Tagen vier gutgekühlte Dosen Bier und warten darauf, quer verkostet zu werden. Drei Marken aus Costa Rica, eine aus Nicaragua. Alles Lagerbiere. Alle um die fünf Prozent Alkohol. Somit wäre das wohl eine horizontale Bierprobe.

Im Einzelnen handelt es sich um die überall anzutreffenden Biere der Marken Imperial, Pilsen und Bavaria. Alle drei von der gleichen Firma. Seit 1988 werden bis auf ein paar kleine Craft Biere alle Biermarken von der Firma Florida produziert. Das gallische Dorf Florida hat sich bisher erfolgreich gegen die Übernahme der internationalen Giganten wie INBEV gewehrt.

Das bekannte Bier aus Nicaragua nennt sich Tona. Gefunden im Supermarkt an der Grenze zu Nicaragua. In Costa Rica trinkt man viel Bier. Mit knapp achthundert Colones (rund einem Euro zwanzig) im Supermarkt nicht ganz billig. Die Dose! Flaschen sind nochmal teurer. Die Regale sind gleichmäßig mit Dosen und Flaschen aufgefüllt. Wein wird aus Chile, Argentinien oder Kalifornien importiert.

An die Arbeit. Noah wacht in spätestens zwei Stunden wieder auf. Da müssen die Dosen vom Tisch und der Nachmittagsbrei auf dem Tisch vorbereitet sein.

Die letzten Wochen hat Robert immer Imperial getrunken. Imperial verkörpert dieses „pura vida“ Lebensgefühl. In jedem Souvenirshop findet man das Imperial-Logo auf zig Artikeln. Gutes Marketing. Sechzig Prozent Marktanteil hat es in Costa Rica. Robert ist ein Mitläufer.

Auf zum heroischen Selbstversuch. Zisch, Dosen Imperial und Pilsen auf. Hhmmm, überraschend ähnlich. Leicht, sehr leicht. Das Pilsen ist vielleicht etwas hopfiger. Pilsen wird mit Malz und Reis gebraut, Imperial nur mit Malz. Beide gut zu trinken und ideal um die Mischung aus Schweiß, Sonnencreme und Straßenstaub runterzuspülen. Ideal für diese tropischen Temperaturen. Ideal für einen Sonnenuntergang am Strand. Ideal für das Gefühl. Klarer Geschmack ohne diese Chemienote manch amerikanischer Biere. Die Zutatenliste ist kurz wie in Deutschland. Aber ganz ehrlich: Wie es die 2007 die Gold Medaille bei der Monde Selection in Belgien gewinnen konnte, bleibt Robert ein Rätsel.

„Warum ist eigentlich ein stilisierter Adler oder Löwe mit Krone auf den Bieren? Und die deutschen Namen?“ fragt sich der wissbegierige Tester Robert. Auf ins Internet. Recherche. Dieser Test benötigt ein solides Fundament an Fakten.

Dreißig Minuten später. Leider hat Robert im Internet keine seriösen Informationen gefunden, die auf einen deutschen Ursprung der gängigen Biere hindeutet. Komisch, zumal das gängige alkoholfreie Bier hier auch noch Kaiser heißt. Arthur Kopper, ein Deutscher, hat 1867 zwar eine Brauerei eröffnet. Weiter kommt Robert bei der Suche allerdings nicht. Nur so viel: Der Adler ist angelehnt an den kaiserlichen Adler vieler europäischer Wappen. Beim Löwen mit der Krone findet Robert nichts. Habt Ihr eine Ahnung? Schreibt…gerne.

Zahlreiche Ticos (Einwohner von Costa Rica) haben übrigens die eigenartige Angewohnheit, ihr eiskalt serviertes Bier in ein Glas voller Eiswürfel zu schütten. Das Resultat ist ein leicht gelb gefärbtes Wasser ohne viel Geschmack.

Kommen wir zu Bavaria. Dies wird als Premium Bier vermarktet und ist etwas teurer. In den Sorten Dark, Gold, Chill. Das Gold wird als „German Pilsener style beer“ vermarktet. Noch nicht probiert. Das Dark ist voller, malziger, dunkel. Das einzige lokale Dunkelbier. Ganz lecker, aber für die heißen, schwülen Tage zu gehaltvoll.

Zisch. Die Dose Bavaria Chill geht auf. Hmmm, flach, leicht. Zu leicht. Mehr kann man dazu nicht sagen. Nichts für Robert.

Vorhang auf für Tona. Überraschend viel Geschmack für ein Lager. Angenehm bittere Note. Mehr Körper als die ersten Beiden. In Wikipedia findet man ganze zwei Zeilen über dieses Biermarke. ZWEI. Dass es im Jahre 2017 überhaupt noch möglich ist, bei Wikipedia als Marke keine Relevanz zu haben. Robert wundert sich. Seit 1926 auf dem Markt ist es die größte Brauerei in Nicaragua. Also durchaus verbreitet.

Man darf nicht vergessen, dass alle Rohstoffe importiert werden müssen. Sicher ein Grund, warum sich über die Jahrzehnte kein eigenständiger, regionaler Biergeschmack herauskristallisiert hat.

Subjektives Fazit vom völlig unqualifizierten Tester Robert: Eigentlich sollte ich die restliche Zeit in Costa Rica zu Tona wechseln. Geht bloß nicht, da selten verfügbar. Ich werde Imperial treu bleiben. Wegen des Images. Wegen des Gefühls. Ja, ich bin ein Sklave des Marketing. Egal. Pura Vida.

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