Monteverde

Auch nach vier Wochen in Costa Rica sind wir immer noch naiv. Einhundertzwanzig Straßenkilometer sind es von La Fortuna nach St Elena, Monteverde. Luftlinie sogar nur fünfundzwanzig. Das Navi gibt dreieinhalb Stunden Fahrtzeit an. Wir glauben an einen Fehler. Schließlich zählen die beiden Ortschaften mit zu den am meist besuchten Destinationen hier im Lande. Die Straße muss doch gut passierbar sein. Der lonely planet gibt den Hinweis, vorher nachzufragen, ob die direkte Straße befahrbar ist.

In Tilarán bekommen wir allerdings auf unsere Frage nur folgende Antwort: „Probiert es, sonst müsst ihr umdrehen. Mit einem 4WD sollte es aber gehen.“ Da wir den Umweg über die Interamericana vermeiden wollen, nehmen wir die letzten sechzig Kilometer von Tilarán mit Achselzucken. Bis jetzt war die Straße teilweise sogar neu asphaltiert und wunderschön zu fahren: kurvenreich entlang des Sees Arenal. Das Navi bleibt stoisch bei über zwei Stunden fünfzehn Fahrtzeit.

Und es kommt, das dicke Ende: Die letzten vierzig Kilometer sind abwechselnd Schotter- und Schlaglochweg. Es geht das Gerücht um, dass die Einwohner um Monteverde sich gegen die Asphaltierung wehren, um den Touristenstrom einzudämmen.

Wir genießen die Fahrt dennoch. Es geht durch eine wunderschöne, offene Landschaft. Sehr hügelig. Pferde und Kühe stehen auf der Weide. Erinnert etwas an Wales, UK. Saftig grüne Wiesen. Es wird mit zweiundzwanzig Grad deutlich kühler.

Um es kurz zu machen: Wir benötigen weitere drei Stunden inklusive kurzer Pause, bis wir ankommen. Und ja, es reicht nun auch mit dem ganzen Gewackel im Auto. Die Kinder haben wieder klasse mitgemacht. Was das Wetter anbelangt, haben wir ein weiteres Mal Glück. Wie wir erfahren hat es die letzten zwei Wochen monsunartig geregnet. Heute ist es trocken, obwohl sich hier eine der regenreichsten Regionen Costa Ricas befindet.

St. Elena, der Ort am Rande der weltbekannten Nebelwälder von Monteverde, ist kein Kleinod. Es sind vielmehr die unberührten Nebelwälder hier, die eine der Hauptattraktionen Costa Rica sind. Der Wald gilt als der unberührteste des Landes. Wir sind hier auf fünfzehnhundert Meter Höhe. Die Wolken hängen normalerweise in den Bergen. Leider, ja leider, ist während unseres Aufenthalts durchgehend schönes Wetter. Untypisch. Dadurch können wir diesen mystischen, nebligen, immer feuchten Regenwald so nicht erfahren. Wir sind drei Tage hier. Ein Tag zuviel.

Dafür begeistern uns zwei weitere Attraktionen dieser Region: der Kaffeeanbau und die Hängebrücken, die in schwindelnder Höhe durch oder über die Baumwipfel führen.

In St. Elena gibt es vier kleine Cafés mit unglaublich gutem Kaffee. Betrieben von umliegenden Kaffeeplantagen. Gute Kaffeemaschinen, gut ausgebildete Barista, perfekte Cappuccino. Wir testen, fachsimpeln, probieren uns durch die Sorten und kaufen Kaffee. Lassen uns begeistern. Vor allem bei El Trapiche erkennt man die Leidenschaft dahinter. Als der Barista merkt, dass wir wirkliches Interesse am Kaffee haben, bekommen wir kostenlos Espresso auf Espresso serviert. Mit stolz geschwellter Brust erklärt er die Unterschiede. Nach dem sechsten Espresso schieben wir den Kinderwagen mit leicht erhöhtem Herzschlag durch die Straßen gen Apartment.

Wir unternehmen eine Hängebrückentour. Wirklich lohnenswert. Auf bis zu einhundertfünfzig Meter langen Hängebrücken geht es auf rund dreißig Meter Höhe durch die Baumkronen. Es schaukelt leicht. Durch den Maschendrahtboden kann man auch gut nach unten blicken. Man bekommt einen ganz neuen Eindruck vom Wald. Wir sind die einzigen Besucher. Die Nähe zur Natur ist ein Genuss. Es ist tiefe Nebensaison. In der Hauptsaison wäre das nichts für uns.

Erst auf der Weiterfahrt runter nach Puntarenas am Golf von Nicoya können wir erahnen, welche geheimnisvolle Atmosphäre diese Gegend verströmt. Es ist nebelig, feucht, aber hell. Die schmale, nicht asphaltierte Straße windet sich am Berg entlang. Geheimnisvoll. Erhaben. Immer wieder steigen wir aus und staunen. Wasser tropft von den Bäumen. Durch den Nebel leuchtet die Sonne diffus einzelne Bäume an.

In der Hafenstadt Puntarenas hat uns das gut dreißig Grad heiße schwüle Wetter wieder. Erst mal dran gewöhnen. Morgen geht es mit der Fähre nach Playa Naranja, auf der Halbinsel Nicoya, an der Pazifikseite des Landes.

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