Auto ganz, Zahnfüllungen locker

Bitte entschuldigt: die letzten Tagen hatten wir nur sehr schwaches  Internet. Deswegen hier erst jetzt der Folgeblog zu dem hier.

Der Lonely Planet hatte recht: Es sind vierzig Kilometer holprige Schotterpiste. Mühsam. Langsam. Schotter als Oberflächenbelag trifft es nicht. Faustgroße runde Steine wohl eher; Steinpiste. Dazu tiefe Schlaglöcher. Wir sind froh, dass es trocken ist. Gute Sicht für Robert, der konzentriert auf der Suche nach der besten Fahrrinne ist. Mehr als zwanzig Kilometer pro Stunde werden mit heftigem Durchschlagen der Stoßdämpfer quittiert und mahnen zur Vorsicht. Unsere Autoversicherung schließt explizit alle Schäden aus, die auf nicht befestigen Wegen entstehen. Ein weiterer motivierender Faktor, vorsichtig zu sein.

Die Fahrbahnmitte ist immer die schlechteste Wahl. Ganz rechts ist es oft ebener, da hier der Matsch beginnt. So holpert eine Seite des Autos zwar weniger. Der Haken: Der Rand ist nicht befestigt und man erkennt nicht genau, wo der Rand aufhört. Und es geht seitlich oft mehrere Meter runter. Nicht spektakulär steil. Hoch würden wir ohne Hilfe trotzdem nicht mehr kommen. Nachdem wir ein paar Mal durchgesackt sind, suchen wir unsere Fahrspur konsequent mehr in der Mitte. Das ausgeschüttete Adrenalin beim Wegrutschen kann gar nicht schnell genug abgebaut werden. An Steigungen gibt es waschbrettartige Querrillen. Auch doof. Ein Lernprozess. Am Ende ist Robert zertifizierter Offroadfahrer mit Nadine als perfektem Co-Pilot. Der Preis für alle sind lockere Zahnfüllungen. Rallye Paris-Dakar: Wir sind bereit.

Es geht vorbei an Ananasfelder. Bauern sitzen zur Pause in den Miniortschaften am Straßenrand. Menschen auf Pferden, die Kühe vor sich her treiben. Hier fährt man zumeist mit dem Geländemotorrad. Kinder, die sicher etwas länger von der Schule nach Hause laufen. Die sanft hügelige Landschaft ist offener als im Süden. Landwirtschaftlich geprägt.

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Wir machen zwei Mal Pause. Auch wegen der Kinder. Lara findet das Gewackel lustig. Noah ist gut ausgepolstert und stabilisiert im Maxi Cosi. Er verschläft einen Teil der Fahrt. Beim ersten Stopp in einer Soda sitzen wir neben Arbeitern in Gummistiefeln bei einem Kaffee. Lara bekommt einen Brombeernektar. Richtig, Brombeernektar. Hier im Nirgendwo. Ganz selbstverständlich.

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Küche und Gastraum sind eins. Die Dame zeigt uns, wie man Empanadas herstellt. Noah krabbelt rum und ist der Star. Dazu warme Tortillas mit Salsa.

Wir kommen an diversen kleinen Weilern vorbei. Uns wird bewusst, wie selbstverständlich eine halbwegs ordentliche Infrastruktur für uns ist, um schnell von A nach B zu kommen. Es gibt Schulen, Gaststätten (Sodas) und Minisupermärkte. Man lebt autark in Abgeschiedenheit. Entfernungen werden in Stunden, nicht in Kilometern gemessen.

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Am Ende der Fahrt werden wir belohnt. Unsere Holzhütte mit Balkon über dem breiten, träge fließenden Rio San Carlos ist für sich schon eine Besonderheit. Es ist fünfunddreißig Grad, schwül. Kein Luftzug kühlt unsere verschwitzten Körper.

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Durch die Nähe zum Reservat Refugio National de Vida Silvestre können wir unzählige Tiere vom Balkon bestaunen. Nasenbären laufen über das Gelände. Lara ist skeptisch.

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Grüne Aras, rote Papageien, Tukane, kleine Vögel in allen Farben und natürlich auch Leguane. Am Fluss lebt ein sicher zwei Meter langes und mehr als kniehohes, männliches Exemplar. Dazu knallgrüne, flinke Geckos, die wir zum ersten Mal bestaunen. Nadine sitzt mit Fernglas im Schaukelstuhl.

Obwohl wir am Fluss sind, bleibt die befürchtete Moskitoplage am Abend aus. Um uns herum surrt es zwar gewaltig und allerlei Getier nutzt uns als Landeplatz. Trotzdem kommen wir ohne Stiche durch das überraschend gute Abendessen unseres herzlichen Gastgebers Marco. Draußen. Drinnen gibt es in Costa Rica nicht. Frisch gebratener Fisch, viel Knoblauch, dazu Kartoffelbrei und Salat.

Die einzigen weiteren Gäste sind ein sehr nettes, deutsches Paar. Der Abend ist gerettet. Lara kann ihr Redebedürfnis nachholen. Und sie freut sich auf den nächsten Tag. Wir haben ein Pferd mit Guide organisiert, damit Lara eine Stunde geführt ausreiten kann. So zumindest denken wir. Nadine winkt ab. Robert muss mit. Blog dazu folgt.

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