Der Bananengürtel

Jede vierte in Deutschland verzehrte Banane kommt aus Costa Rica. Und das zu Tiefstpreisen. Seit zwanzig Jahren hat sich der Kilopreis der Frucht nicht verändert. Die Bananenverordnung der EU schreibt vor: Die noch unreifen, grünen Früchte müssen mindestens 2,7 Zentimeter dick und vierzehn Zentimeter lang sein. Und dazu noch vollkommen makellos. Nicht einfach in einem tropischen Land, indem es vor Insekten und sonstigem Getier nur so wimmelt. Die meisten Bananen sind nicht aus Samen gezogen. Triebe der Pflanze werden in den Boden gesteckt und wachsen an. Diese Klone sind sehr anfällig.

Jede Staude ist meist in einer blauen Tüte eingepackt. Imprägniert mit hochgiftigen Chemikalien. Besser als mit dem Flieger die Pestizide versprühen und die Menschen ringsum gleich mit. Trotzdem ungesund.

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Wir fahren auf der Ruta 36 gen Norden. Der Bananengürtel Costa Ricas erstreckt sich an der karibischen Ostküste. Bananenplantagen links und rechts der gut zu fahrenden Straße. Je näher wir Puerto Limon kommen, desto dichter wird der Lasterverkehr. Schwere LKW aus den USA mit langer Motorhaube und verchromten Stoßstangen. Mal neueren Baujahres, mal älter. Besonders die älteren Laster sind uns sympathisch. Keine Betrügereien oder Adblue-Probleme: Sie blasen mit voller Überzeugung ihren schwarzen Ruß in Wolken durch die unterarmdicken Rohre in die Lüfte.

Dole oder Chiquita steht oft auf den Aufliegern. Gefühlt jedes zweites Gefährt. Puerto Limon ist der zentrale Umschlagplatz und Hafen des Landes. Es geht bergauf und bergab auf der einsturigen Straße. Vierzig hoch, achtzig Kilometer pro Stunde runter. Der Rhythmus der Straße. In Deutschland hätte Robert vor Ungeduld bereits das Lenkrad durchgebissen. Hier nicht, so ist es eben. Überholen zwecklos. Zu viel Verkehr.

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Dazu öffentliche Busse, die regelmäßig stehenbleiben. Rechts und links der Straße findet man Werkstätten, Truck Stopps, Schrottplätze, Lagerhallen mit Stacheldraht und Wachturm. Hoch aufgestapelte, weiße Seecontainer. Seitdem die Bahnlinie stillgelegt wurde, geht der gesamte Schwerverkehr über diese Straße. Brutal. Wir reden nicht über ein paar wenige Kilometer. Dieses Teilstück war heute für uns gut hundertzwanzig Kilometer lang.

Wir treffen José bei einer verlängernten Windelpause. LKW Fahrer. Nun aber leider mit Motorschaden fest sitzt. Mit guter Laune zeigt er sein Fahrzeug mit Stolz. Man beachte den schwarzen Regenschirm als Sonnenschutz bei der Reparatur.

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1871 fing alles an. Der Amerikaner Minor Copper Keith wird von der Regierung beauftragt, eine Eisenbahn durch Costa Rica nach Puerto Limon zu bauen. Ziel ist der einfachere Kaffeetransport an den Hafen. Der Bau entwickelt sich als finanziell desaströs und kostete vielen Arbeitern das Leben. Um den Bau doch fertig zu stellen, bekommt er entlang der Strecke Land geschenkt. Hier baut er Bananenstauden für seine Arbeiter an. Das ist nahrhaft und billig. Die Bahn rentiert sich nicht, der Verkauf der Bananen schon. Ein Glückstreffer. 1899 wird die United Fruit Company gegründet, die heutige Chiquita Brands International. Mit all den Folgen für die Länder Zentralamerikas, die zu „Bananenrepubliken“ verkommen. Drei Firmen teilen sich heute das Bananengeschäft. Delmonte ist der dritte im Bunde.

Einheimische, so hören wir immer wieder, würden nie Bananen dieser Anbieter kaufen. Man kauft lieber lokal. „Lasst es die Europäer essen“. Hauptgrund ist die hohe Pestizidbelastung der Früchte. Bauern, die in den Plantagen arbeiten, klagen immer noch über Unfruchtbarkeit, Hautkrankheiten oder Krebs. Der Preisdruck auf dem Weltmarkt ist enorm. Deswegen bleibt man bei der billigen Chemie. Die Konkurrenz, gerade aus Panama, ist groß. Und Costa Rica ist abhängig, da rund zwanzig Prozent vom Gesamtexport aus Bananen generiert werden.

Chiquita ist übrigens die einzige Marke, die seit den 1990er Jahren wirklich etwas gegen den Pestizideinsatz unternimmt. Deswegen auch teurer. Wir in Deutschland haben also die Möglichkeit etwas zu verändern. Wir haben online recherchiert: Spiegel und Stern. War uns so nicht bewusst.

Die Kinder haben die erste Etappe hoch in den Norden gut mitgemacht. Zwischendurch sind Nadine die Lieder zum Singen ausgegangen. Aber gut. Fängt man halt von vorne wieder an.

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Die Unterkunft in Sarapiqui entpuppt sich als Bungalow mitten im Urwald. Wir sind positiv überrascht. Mal sehen, was die morgige Fahrt so bringt. Am siebenundzwanzigsten August geht es dann die letzten sechzig Kilometer ins Nirgendwo. Siehe letzter Blog.

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Ein Gedanke zu “Der Bananengürtel

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